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Das Norkapp

20. November 2020, Norkapp. Norwegen.

Dinge, die ich eigentlich nicht gerne tue.
Aber der Charme der älteren Dame hat mich einfach überzeugt. Letzte Nacht wurde ich mindestens trölf mal vom tosenden Wind geweckt der unheimliche Geräusche an meinem Dachfenster erklingen ließ. Nervtötend, aber ich denke das gehört zu dieser romantischen Landschaft halt einfach dazu. Ein leichter weißer Hauch überzieht die karge, baumlose Landschaft hier oben. Die Straßen sind gefroren, aber es liegen zur Zeit maximal 2-3 cm Schnee. Mein Sprinter gräbt sich zielstrebig durch jegliches Gelände, was ich ihr antue. Meine Allwetterreifen und die Gewichtsverteilung auf der Hinterachse sind bisher optimal. Spaßenshalber bin ich heute früh mal voll in die Eisen gegangen auf dem Highway um zu sehen wie lange ich im Ernstfall so zum stehen brauche. Nach einer stoßweisen Rutschpartie stoppte die Karre aber dann doch. Da die Straßen Menschenleer sind, kann man beruhigt in der Mitter der Fahrbahn cruisen und die Kurven schneiden, damit der Transporter nicht allzu sehr in schlittern kommt. Bergab im 3. Gang ohne viel Gebremse ging eigentlich ganz gut. An steilen Hängen muss man halt a weng mehr Gas geben damit man vernünftig hochkommt. Aber ich bin echt zufrieden. Am Kapp angekommen, freute ich mich über relativ klare Sichtverhältnisse. Man konnte ca. 400m weit sehen und die dunkelgrauen Wolken ließen ein wenig Tageslicht durch. Das Kapp war menschenleer aber im Gebäude brannte Licht. Kein Auto vor der Tür. Na dann los. Die Schrankenhäusel waren verlassen und die Bäume hochgeklappt. Innerlich lachte ich mir schon in Fäustchen. Hahah, biste um die 250NOK (ca.25€ Parkgebühr) drum herum gekommen. Das Außengelände ist ja eh frei zugänglich. Nach ein paar Fotos und einem Rundgang an der Felsenkannte entlang zog es dann aber doch recht schnell zu und ein Schneesturm fegte über mich weg. Mein Koffeinlevel fragte mich, wie es denn mit einem Kaffee wäre und ich begab mich ins Innere der Touri-Anlage. Zu spät. Ich wurde entdeckt. Eine überaus zuvorkommende ältere Dame kam auf mich zu und hieß mich überschwenglich willkommen. Ich vermute mal, wenn man momentan am Empfangsschalter vom Nordkapp arbeitet weiß man das Wort Langeweile sowohl vorwärts als auch rückwärts auf 27 Sprachen zu buchstabieren. Als der einzige Gast wurde ich königlich empfangen und ließ mich zu sowohl Parkgebühr und Eintritt überreden. Als sie „Free Coffee and Snacks“ sagte, hatte mein innerer Schweinehund schon zugesagt. Und dann gab sie mir auch noch einen Studentenrabatt, wie konnte ich da noch nein sagen. Jetzt sitze ich hier beim 3. Kaffee und frage mich wie viele ich noch trinken muss um auf 42 € zu kommen^^. Die Nordkapp-Ausstellung ist schön gestaltet und auch im großen Kino-Saal saß ich dann alleine. Währendessen saugte ich über das kostenfreie WLAN zig Filme und Serien für die langen und dunklen Abende, die mir jetzt bevorstanden. Und ich genieße es in der Wärme an einem Tisch zu sitzen und ein paar Zeilen bis Ladenschluss zu schreiben. Und ein paar Postkarten sind ganz nebenbei auch entstanden. ;) Das Kapp an Sich ist vergleichsweise unspektakulär aber dennoch fühlt man sich irgendwie am Ziel einer Reise. Jetzt geht’s nicht mehr weiter nach Norden. Ich traue meiner Möhre ja viel zu, aber bis nach Spitzbergen springen.... Vielleicht mit etwas Anlauf im 4. Gang. Einen Versuch wäre es wert. Wenn man mit einer alten Rostlaube hier hoch fährt, wäre dies der perfekte Ort um ein Auto über die Klippen zu jagen. Etwas, was mich doch echt reizen würde. Mit dem Campingstuhl und Bier an der Klippe und mit Ziegelstein und Gaspedal... Naja ihr wisst schon. So.... Jetzt kommt die große Frage? Wohin jetzt? Weiter Richtung Finnland/ Russland? Wieder runter durch Norwegen. Das werde ich heute Abend entscheiden.