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Fähre Moskenes nach Bodo (Lofoten)

29. November 2020, Fähre Moskenes – Bodo

Raue See... Alter hier geht’s übel ab. Leider ist es dunkel und ich sehe kaum den Seegang aber die Fähre hebt und senkt es mächtig. Selbst im Obergeschoss spritzt die Gischt bis an die Fenster. Die Gäste an Bord halten all ihre Habseligkeiten fest an sich und ich mache mir ernste Gedanken um meinen Sprinter. Mal schauen, ob ich ihn zwischen alle den LKW wieder finde. In meinem Kopf spielen sich schon aberwitzige Domino-Szenarien im Frachtraum ab. Booom und wieder kracht die Fähre eine Wellendüne hinunter. Boom. Vereinzelte Gäste stolpern durch die Gegend und besorgen sich Kotztüten, die an den Wänden zu finden sind. An sich genieße ich ja jegliche Art von Achterbahnfahrten aber ich mach mir wirklich Sorgen um die Karre. So heftig hab ich das noch nie erlebt. Aus dem Frachtraum kommen beunruhigende Geräuche. Aber ich gehe mal davon aus, dass die Jungs auf der Brücke wissen was sie tun. Die Crew hat auf jeden Fall die LKW mit Spanngurten befestigt. Ich frage mich gerade ob ich das beruhigend finden sollte oder nicht. Vielleicht habe ich ja auch frisch geschlagene Sahne aus meinen Milchtüten zum Frühstück morgen früh. Sahne-Müsli mit stürmischen Grüßen von der See. Na mal schauen. Booom und es kracht wieder und wieder. Auf und ab. Menschen um mich herum atmen schwerer. Ein aus, ein, aus,... Booom. Ich glaube ich schau mal nach dem Auto. Nicht das ich etwas tun könnte aber. Gang war drin? Handbremse fest angezogen?

 

Die Türen zum Laderaum waren leider verschlossen, aber auf das Deck konnte man wenigestens. Durch die Scheinwerfer der Fähre konnte man die riesigen Wellen erkennen und... Ja ich war gerade 5 Minuten draußen und bin ordentlich nass geworden. Ich denke man kann gut und gerne von 10 Metern sprechen. Am Horizont sind die Lichter der Lofoten noch klar zu erkennen. Manchmal hoch am Himmel, manchmal hinter den Wellenkämmen. Mir fällt gerade ein, dass ich noch einen halbvollen Becher Kaffee auf der Mittelkonsole stehen habe. Prächtige Idee Dave. Auch der Weg zur Toilette erwies sich als etwas umständlich. Das letzte mal als ich mich an allen Wänden beim pinkeln abstützen musste war wohl im Gutzkowclub in Dresden. Aber das lag nicht am Seegang. Links und rechts flogen die Kabinentüren aus ihren Angeln. Was ein Spaß. Von einem stillen Örtchen ist hier jedenfalls nicht mehr die Rede. Booom und wieder kracht die Fähre auf die harte See. Kotzgeräuche mischen sich zum Schniefen, knarzen und rumsen. Neben mir schnarcht ein älterer Herr und hält sich den Mund zu. Hoffentlich erstickt er nicht. Man sieht es in den Gesichtern, wie viele mit ihren Mägen kämpfen. Rums. Und wieder eine Tüte voll.