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Die Reise gen Süden

13.12. Kristiansand (warten auf die Fähre nach Hirtshals)

Die Skandinavienreise neigt sich so langsam dem Ende zu. Passend dazu verabschiedet mich Norwegen mit kaltem grauen Regenwetter hier im Süden. Also mal abwarten ob man mich auf die Fähre lässt. Das Ein und Ausreisen macht zur Zeit nicht allzu viel Spaß. Nachrichten aus Deutschland sollten an sich alle meine Alarmglocken leuten, aber mein TÜV läuft ab und ich muss wohl oder übel zurück nach Deutschland. Aber Weihnachten mit der Familie war ja sowieso geplant.

Obwohl Corona in Europa kräftig austeilt, lebt es sich hier oben doch recht entspannt. Der letzte Tag an dem ich eine Maske trug, liegt nunmehr 3 Monate zurück. Die Norweger beschränken sich auf Hände desinfizieren, Abstand halten und Plexiglas an den Kassen. Das wars dann aber auch schon. Es kommt aber auch niemand rein oder raus ohne Tests und Quarantäne. Das hilft sicher bei der Eindämmung der Seuche.

Seit dem Nodkapp sind nun auch schon wieder 3 Wochen vergangen und viele Tausend Kilometer liegen hinter mir. Der Südwesten Norwegens erwartete mich mit vielen tollen Landschaften, unzähligen Fjorden und atemberaubenden Berggipfeln. Und endlich wieder Sonne. Auch wenn ich nur wenige Wochen im tageslichtarmen Norden verbrachte, genoss ich jeden Moment, in dem mir die Sonne ins Gesicht schien. Die Tage wurden mit jeden 500km länger und ich gewann immer ein paar Stunden hinzu, obwohl die Tage immer noch kürzer wurden. Jetzt konnte man tatsächlich wieder 7-8 Stunden im Hellen verbringen (Sonnenlicht Nordkapp: Sonnenaufgang 10:36Uhr/ Sonnenuntergang 11:27Uhr). Das einzige was fehlte waren die Nordlichter, die nun nicht mehr sichtbar waren. Nach dem ich die komplett verregneten Lofoten hinter mir gelassen hatte, fuhr ich ohne besondere Zwischenstopps bis zum Galdhoppigen, einem der höchsten Gipfel Skandinaviens. Die Straßen waren bis auf die wenigen Bergpässe frei und ich kam ohne Komplikationen durch mit meinen Allwetterreifen. Fast alle Norweger sind mit Spikes in den Reifen unterwegs und daher kümmern Sie sich wenig um vereiste Straßen. In den Wintermonaten erlaubt es die Straßenaufsicht, dass alle mit Metallspitzen im Gummi fahren. Auch bei freien Straßen. Manche Spikes haben einen raffinierten Mechanismus, der es erlaubt, auch ohne besondere Abnutzung auf Asphalt zu laufen. Man meinte mal zu mir: „Orientiere dich ja nicht an den Einheimischen. Die rasen auch bei Glatteis, Schnee und Matsch mit 90Km/h an dir vorbei.“ Ich dagegen muss nur einmal kräftig bremsen und dann wars das mit der Kontrolle über das Fahrzeug. Man kann sich sogar Spikes kaufen und sie selbst in die Reifen schrauben. Faszinierend. Aber ich bin ganz gut durchgekommen und hatte nur wenige Momente an denen ich zittern musste. Einmal bin ich nachts einen Bergpass hinauf, der ab einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr geräumt wurde und ich merkte wie sich jeglicher Schwung von mir verabschiedete und ich mit drehenden Reifen am Hang stand und mein Heck sich so langsam Richtung Straßenrand verabschiedete. Mist. Dieser Moment lässt die Pumpe immer ordentlich arbeiten. Zum Glück war keiner sonst unterwegs. In diesen Momenten kann man immer nur hoffen, dass wenigstens die Handbremse noch funktioniert. Erstmal anhalten, Türe auf und, bähm aufs Maul gelegt und mal gut 2 Meter den Abhang hinunter geschlittert. Kein Wunder, dass es hier nicht weiter geht. Da ist ne schöne Eisschicht unter der 2cm Neuschneedecke. Oopsy. Nagut, also wieder runter. Die Straße bot genügend Platz für ein Auto aber keine 2 nebeneinander. Das ist typisch für viele Straßen in Norwegen. Aller paar hundert Meter hat man Haltebuchten in denen man rücksichtsvoll anhalten kann, sobald man Gegenverkehr erspäht. Die meisten Norweger kommen mir immer zuvor und fahren rechts/ links ran, nur selten muss man mal hundert Meter zurück setzen um jemanden durchzulassen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Sie denken, weißer Transporter, der ist bestimmt in Eile und arbeitet fleißig,...Der hat Vorfahrt^^ Wer weiß. Jedenfalls musste ich jetzt erstmal einen Weg finden, wie ich ca. 150m rückwärts im Dunkeln eine Eispiste runterrutsche ohne rechts im Felsen kleben zu bleiben. Fels lässt sich immer schlecht aus Blech entfernen. Hässliche Flecken sage ich euch. Unschön. Wie immer sage ich mir, hahah selber Schuld du Pfosten. Wer wagt der auch verliert. In einer 10 Minütigen Zitterpartie, in der ich mich über jedes Bisschen Grip(s) freute, rollrutschte ich langsam zurück zu dem Stück an dem die Räumfahrzeuge beschlossen hatten, den Ruhestand zu beginnen. Dieser Moment, an dem man sich auf der Stelle auf der Straße querstellt ist immer wieder ein Moment, an dem ich eigentlich genau weiß was zu tun wäre. STOPP, Ketten ran und WEITER. Aber der innere Schweinehund versucht es immer erstmal so. Vielleicht klappt es ja. Mein Schweinehund ist ziemlich dicke mit meinem Glückspilz und beide denken sich immer, ach das klappt schon. Und mal wieder hatten beide Recht und wir kamen auch ohne Ketten zurecht. Schon wieder abgedriftet. Ich wollte eigentlich über die Besteigung des Galdhoppigen schreiben.