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Auf zu neuen Ufern

15.03.2021 Torshavn, Faroe-Islands

Nach über zwei Monaten Stillstand in Deutschland darf ich mich glücklich schätzen. Mein Transporter „Ella“ (Kurz für MozzarElla) und ich sind wieder auf großer Tour. Nach wochenlangen Recherchen entschied ich mich für ein Reiseziel der besonderen Art. Auf den Seiten des Auswärtigen Amtes durchforstete ich wahrscheinlich jedes einzelne Land der Erde, in der Hoffnung auf ein Covid-freies Schlaraffenland zu treffen. Wie wäre es denn mit Nicaragua? Mexico? Oder Tansania? Vielleicht auch ein paar Monate bei einer NGO in Kenia unterkommen. Alles Länder, in denen es kaum bis keine Einreisebeschränkungen gibt. Aber jetzt haste dir doch extra einen Camper ausgebaut? Und weiter ging die Suche. Die erste Fähre nach Island fährt am 6.3.2021. Nach Dänemark kommt man aber nicht so ohne Weiteres über die Grenze. Island fordert aber nur 5 Tage Quarantäne und zahlt alle benötigten PCR Tests. Deutschlands Nachbarn werden von Woche zu Woche unsicherer und fordern PCRs und triftige Gründe für die Einreise. Jedes Mal 150€ für einen Test bei Grenzübertritt? Dann im Land ein Haufen Einschränkungen? Pffff... Keine richtige Lust. In Deutschland hat sich seit März 2020 auch nichts verändert. Hohe Zahlen – Lockdown – niedrige Zahlen – Sommer – hohe Zahlen – Lockdown- Winter – Lockerungen – Hohe Zahlen- Lockdown- und so weiter. Beschweren möchte ich mich nicht, nur damit beschäftigen auch nicht so recht. Solange hier nicht alle oder viele Menschen geimpft sind, wird sich wohl auch nicht viel ändern. Nun ja. So sehr ich die Zeit mit meiner Freundin und meinen Eltern auch genoss, wollte ich trotzdem endlich weiter. Das Jahr bekomme ich so schnell nicht wieder und für „Home Sweet Home“ habe ich schließlich noch den Rest meines Lebens Zeit. Also was solls, lass dieses Island probieren. Wird schon schiefgehen. Am Donnerstag Abend passierte ich nach einigen Fragen seitens des Grenzbeamten und Vorzeigen sämtlicher Testergebnisse nach ca. 5 Minuten innerlichen Zitterns die Dänische Grenze. Zur Sicherheit hatte ich mir noch einen Antigentest-Termin für den Folgetag in Flensburg gebucht, schließlich war die Fähre bezahlt und musste erreicht werden. Um sicher zu gehen, telefonierte ich im Voraus mit allen Beteiligten Institutionen. Zuerst die Fährgesellschaft, dann die Dänische Polizei, dann mit der Isländischen Gesundheitsbehörde. Alle bestätigten mir folgendes: Ja, die Einreise ist möglich. Sie müssen NUR folgende Sachen vorweisen... Negativer PCR, triftiger Grund – Fährticket, Gebuchte Unterkunft im Zielland. Zweiter Test bevor es auf die Fähre geht, 3. test bei Ankunft in Island. 5 Tage in geeigneter Quarantäne, 4. Test an Tag 6 nach Einreise.... Boar ey, ich möchte mein 2019 zurück! Nun ja am Ende war doch alles leichter als gedacht. Man weiß es nun noch mehr zu schätzen, dass man mal eben von heute auf Morgen nach Panama fliegen konnte, ohne die geringsten Widerstände. Ich sitze jedenfalls mit 68 Mann (Maximal 1500) auf der Fähre Norröna und genieße die raue See. Mit mir an Board sind ein polnischer kleinstlogistiker, mit dem man quatschen und Bier trinken kann, einer der kommunikativeren Gäste an Board. Und Philipp und Thomas, die zwei Barmänner im nigelnagelneuen Skydeck, die aller 24h ein Bier zapfen müssen. Von den dreien erfahre ich jede Menge Dinge über das Leben auf den Färöer-Inseln und Iceland und kann mich in Gedanken bestens auf die bevorstehende Reise vorbereiten. Daniel erzählt mir von seinen unglücklichen Erlebnissen auf vereisten isländischen Straßen, Sturm und rollenden Lieferwägen und lässt keine hilfreiche Information für mich aus. Als wir an den Shetlands vorbei fuhren krachte die Fähre mächtig gewaltig auf und ab und die Gischt überschwemmte das gesamte Deck. Nach wenigen Sekunden an der frischen Luft, war man geduscht. Mein persönliches Highlight war die ca. zweistündige Durchfahrt mitten durch die Färöer-Inseln nach ca. 8h Aufenthalt. Vielleicht stoppe ich hier auf der Rückreise für ein paar Tage. Steile Bergketten ragen aus dem Meer hinauf auf schneebedeckte Gipfel gesäumt mit duzenden Wasserfällen die zurück ins Meer fließen. Jetzt fühlt es sich an wie eine Kreuzfahrt.